Museen
In diesem Jahr widmet sich der Heimat- und Geschichtsverein Wächtersbach e.V. der Geschichte dieses einst größten und wichtigsten Arbeitgebers der Stadt in einer Sonderausstellung im Heimatmuseum. Es werden weit über 200 Exponate (Fotos, Dokumente, Erzeugnisse) der Adt AG zu sehen sein, dazu auch seltene Fotos ihres Vorgängers, der Kartonagenfabrik Friedrich Christian GmbH vom Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Die Ausstellung wird am Sonntag, 12. April eröffnet.
Die Adt AG arbeitete im Bereich Brückenstraße/Bahnanlage von 1920 bis in die 80er Jahre, dann wurde sie stillgelegt und die weitläufigen Gebäude abgerissen. Nur das große Verwaltungsgebäude blieb erhalten und wird heute gewerblich genutzt. Auf dem umfangreichen Firmengelände – heute: „Im Ziegelgarten" - entstanden zahlreiche Wohnhäuser und einige Arztpraxen.
Zur Zeit arbeitet das Museumsteam noch an der Gestaltung der Ausstellung. Das Foto zeigt Museumsleiter Kurt Schuh (Mitte) mit seinen Helfern Dietmar Brinkmann (l.) und Thomas Janik (r.) bei der Arbeit. Die Präsentation dürfte nicht nur für die Anlieger der der Straße „Am Ziegelgarten" sehr interessant sein, sondern auch für alle Neubürger unserer Stadt, die sich über unsere Vergangenheit informieren möchten. Unser Heimatmuseum ist dafür der geeignete Ort!
Die Sonderausstellung im Wächtersbacher Heimatmuseum zum Leben und Werk des bekannten Hesseldorfer Malers C.A. Mülhardt (1884-1976) konnte bisher zahlreiche Kunstfreunde begeistern und führte sogar Besucher von weither in unsere Stadt. Die Vielfalt der verschiedensten Motive der Gemälde und Zeichnungen des Künstlers, auch Fotos aus seinem Privatleben und verschiedene original erhaltene Arbeitsgeräte bieten dem Betrachter ein lebendige Dokumentation und Überblick zu seiner künstlerischen Entwicklung. Besonders die Arbeiten des jungen Malers vom Beginn des 20. Jahrhunderts sind von hoher Qualität, dazu auch Kinderbilder aus allen Schaffensperioden, die in vielen Wohnungen der Region, besonders in seinem Heimatort Hesseldorf noch heute einen Ehrenplatz einnehmen. Hierzu zeigt die Ausstellung zahlreiche Werke, so z.B. zwei Porträts von Prinzessinnen des Hauses Ysenburg. Reizvoll sind auch die Landschaftsbilder von Bracht- und Kinzigtal, dazu Ansichten aus Städten der Umgebung; ein Beispiel hierzu ist das ausgestellte Gemälde des Untermarktes in Gelnhausen.
Die Museumsleitung weist darauf hin, dass die Mülhardt-Sonderausstellung nur noch am Wächtersbacher Herbstmarkt (16. Oktober) und abschließend am Weihnachtsmarkt (26. November) besichtigt werden kann und mit Beginn der Winterpause dann aufgelöst wird. Die Öffnungszeiten an beiden Tagen: Jeweils von 13 bis 18 Uhr, letzter Einlass um 17.30 Uhr. Sonderführungen können aber außerhalb dieser Termine noch mit Museumsleiter Kurt Schuh vereinbart werden (Telefon: 06053/2574).
Viel Neues im Wächtersbacher Heimatmuseum
In diesem Jahr erwarten die Besucher des Museum drei sehenswerte Sonderausstellungen.
Im September 2011 hielt Professor Dr. Bruno Deiss, Wissenschaftlicher Direktor des Physikalischen Vereins und Astrophysiker an der Goethe-Universität Frankfurt beim Heimat- und Geschichtsverein einen Vortrag über die weithin bekannte Himmelsscheibe von Nebra. Dabei konnten die Besucher eine originalgetreue Replik dieses bedeutenden archäologischen Fundes begutachten. Auf vielfachen Wunsch wird nun diese vor etwa 3.600 Jahren aus Bronze mit Goldauflagen gefertigte Nachbildung im Heimatmuseum ausgestellt, dazu finden sich entsprechende Erläuterungen mit zahlreichen Fotos. Das vor einigen Jahren am Mittelberg bei Nebra in Sachsen-Anhalt entdeckte einzigartige Original (31 cm Durchmesser, ca. 2,1 kg. schwer) gilt als die weltweit erste „realistische" Abbildung des gestirnten Himmels. Sonne, Mond und die Sternengruppe der Plejaden sind zu erkennen, Horizontbögen aus Goldblech geben die Morgen- und Abendweite des Sonnenlaufes wieder. Es ist erstaunlich über welch umfassende astronomische Kenntnisse bereits unsere („primitiven") Vorfahren der Steinzeit verfügten.
Die zweite Sonderausstellung widmet sich unter dem Titel „Klingende Spielereien aus Holz" besonderen Bastelarbeiten des Wächtersbacher Pfarrers Christoph Schilling. In seiner Freizeit entwickelt und baut er mit geschickter Hand und erstaunlicher Präzision kleine und große Maschinchen, bei denen es möglichst klingen und rappeln, scheppern und zappeln muss. So sind inzwischen zahlreiche Objekte entstanden, von denen im Museum eine sehenswerte Auswahl gezeigt wird. Durch Handkurbeln bedient, rührt z.B. eine Hausfrau im Kochtopf, ein Vikar versucht, ein Kreuz zu schlagen, eine Musikmaschine klingelt in allen Variationen und ein aus dem Schlaf aufgeschreckter Politiker hebt die Hand zu Abstimmung. Kugel- und Geschicklichkeitsspiele laden zum Mitmachen ein. All das Ausgestellte hier zu beschreiben, ist nicht möglich, man muss es selbst gesehen und betätigt haben.
Auch die dritte Ausstellung verdient besonderes Interesse. Gezeigt werden 36 optisch reizvolle Nussknacker-Figuren aus der Sammlung von Annemarie Heck aus Wächtersbach. Über 100 Exemplare – sorgsam aufgereiht in Regalen - sind inzwischen zentraler Blickpunkt in der Wohnung des Ehepaares und Ergebnis eines jahrelangen Sammlerfleißes. Aus Platzgründen konnten sie aber nicht alle im Museum untergebracht werden Trotzdem findet der Besucher hier eine bunte Vielfalt von Größen, Charakteren und Nationalitäten. So steht der stolze Soldat neben dem Wilderer, eine Gärtnerin leistet einem fernöstlichen Potentaten und streng dreinblickenden Wachtmeistern Gesellschaft und selbst der berühmte Detektiv Nick Knatterton (die Älteren werden sich erinnern) darf in der lustigen Schar nicht fehlen.
Mit diesen drei Themenkreisen der Sonderausstellung ist dem Museumsteam mit seinem Leiter Kurt Schuh auch in diesem Jahr wieder ein großer Wurf gelungen. Eröffnung und erste Besuchsmöglichkeit ist am Sonntag, 7. April in der Zeit von 15 bis 18 Uhr.
Kaum hat der Besucher das Museum im 1495 erbauten alten Rathaus am Marktplatz betreten, wird er sicherlich beeindruckt sein von der besonderen Atmosphäre des altehrwürdigen Gebäudes, das über 500 Jahre hinweg die Stadtgeschichte begleitet und als einstiger Sitz der Stadtverwaltung viele ungewöhnliche Ereignisse erlebt hat. Die Chronik berichtet sogar über einen Mord in seinen Mauern, der sich 1567 in Folge eines Streites zwischen Gästen einer Hochzeitsfeier ereignete, die im Sitzungssaal des Obergeschosses stattfand. In den „Sammlungen zur Geschichte von Wächtersbach“, der Schriftenreihe des Heimat- und Geschichtsvereins, wird u.a. auch hierüber ausführlich berichtet.
Einer der zahlreichen Anziehungspunkte im Erdgeschoss ist die Sammlung zur Erdgeschichte unserer Heimat, die über 100 interessante Fundstücke verfügt, so z.B. sind ein mächtiger Backenzahn eines eiszeitlichen Mammuts und der Abdruck einer Knochenplatte eines Riesen-Amphibiums auf einer Buntsandsteinplatte zu sehen, die im „Teufelsgraben“ nördlich der Stadt gefunden wurde und etwa 240 Millionen Jahre alt ist. Immer wieder sind besonders auch die jungen Museumsbesucher fasziniert von einer riesigen Mördermuschel aus dem Pazifik, die einen interessanten Bezug zu Wächtersbacher Geschichte hat. Die Sonderausstellung dieses Jahres zum Leben und Wirken des Hesseldorfer Malers C.A. Mülhardt (1884-1976) im ersten Stock des Museums fand bereits an den ersten Öffnungstagen ein großes Interesse von Gästen aus nah und fern. Hauptsächlich in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg festigte Mülhardt seinen guten Ruf als Meister des Kinderporträts und fand in unserer Region zahlreiche Kunden. In der Ausstellung sind einige seiner ausdrucksvollen Arbeiten zu sehen. Ein Beispiel hierzu zeigt die Abbildung
Natürlich empfiehlt sich gleichzeitig ein Besuch des Museums für Wächtersbacher Keramik gegenüber dem Heimatmuseum. Auch hier gibt es immer wieder Neues zu entdecken und die Beschäftigung mit der Geschichte dieses Traditionsunternehmens ist außerordentlich spannend und lehrreich. Das Museumsteam steht seinen Gästen wieder am Sonntag, 7. August, von 14-17 Uhr zur Verfügung. Termine für Sonderführungen vermittelt der Verkehrs- und Gewerbeverein Wächtersbach e.V. unter 06053/9213 oder
Diese Ansicht ist leider immer noch weit verbreitet und zeigt sich statistisch gesehen auch daran, dass bei 12.000 Einwohnern unserer Stadt das Museum jährlich nur etwa 1.000 Besucher zählen kann. Dabei kommt eine große Zahl zudem noch von auswärts.
Natürlich findet man bei uns – wie in allen anderen Museen – das Standardprogramm, wie z.B. historische Geräte und Werkzeuge aus Landwirtschaft, Handwerk und Haushalt. Aber – jedes Museum hat Besonderheiten und nicht alltägliche Schätze zu bieten, die auf jeden Fall sehenswert sind und eindrucksvolle Zeugen unserer Vergangenheit darstellen.
So finden sich auch im Wächtersbacher Heimatmuseum, besonders auch im Museum für Wächtersbacher Keramik eine Vielzahl von Objekten, die man anderenorts vergebens sucht und zeigt, das ein Besuch alles andere als langweilig anzusehen ist. Wo kann man z.B. heute noch eine Blumentopfmaschine aus dem Töpferdorf Wittgenborn bewundern? Auch die umfangreiche Präsentation zur Erdgeschichte unserer Region mit zahlreichen Gesteinen, Mineralien und Fossilien sucht weit und breit Ihresgleichen. Ein absolutes Glanzstück ist das Gerichtsbuch der Stadt Wächtersbach aus dem Jahre 1504, in dem über 250 Jahre hinweg Rechtsgeschäfte aller Art protokolliert wurden.
In diesem Jahr zeigt eine Sonderausstellung das Leben und Wirken des heimischen Malers C.A. Mülhardt („Rembrandt vom Büdinger Wald“). Hier sind repräsentative Werke aus all seinen Schaffensperioden zu sehen, dazu Fotos und Dokumente aus seinem Privatleben und auch originale Malutensilien. Zum größten Teil handelt es sich um private Leihgaben aus Hildesheim, die hier bei uns bisher nicht bekannt waren und nur dieses Jahr zu sehen sind.
All das hier aufzuzählen, was man sonst noch an ausgesprochenen Besonderheiten in den Wächtersbacher Museen entdecken kann, ist nicht möglich. Langweilig? – Wir behaupten das Gegenteil! Ein Besuch ist auf jeden Fall lohnend und man sollte z.B. die nächste Gelegenheit nutzen. Während des Kunsthandwerkermarktes am Donnerstag, 2. Juni (Christi Himmelfahrt) auf dem Marktplatz in der Altstadt sind dort beide Museen am Nachmittag geöffnet. So kann man auch den Messebesuch mit einem Streifzug durch unsere Vergangenheit verbinden und „das Gedächtnis unserer Stadt“ kennen- und vielleicht sogar auch lieben lernen!
Neue Attraktion im Heimatmuseum: Das Wächtersbacher Gerichtsbuch von 1504
Dieses mit ca. 500 Jahren wohl älteste und bedeutsamste Buch der Stadt Wächtersbach befand sich altersbedingt in einem kritischen Zustand und drohte allmählich zu zerfallen. Der Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins beauftragte daher einen anerkannten Fachbetrieb mit der Restaurierung und Konservierung des Buches.
Die Restauratoren haben hervorragende Arbeit geleistet. Die etwa 500 Seiten wurden sorgfältig einzeln gereinigt und stabilisiert, Fehlstellen ergänzt und Tintenfras-Schäden neutralisiert. Das Werk erhielt einen neuen Ledereinband mit Vorderdeckel aus Buche in historischem Stil unter Verwendung der noch vorhandenen Einbandteile. Eine stabile Kassette gewährt nun den nötigen Schutz bei der Lagerung.
Das Gerichtsbuch hat man im Jahre 1504 begonnen. Der letzte Eintrag stammt von 1761. Es wurde somit über einen Zeitraum von etwa 250 Jahren von den Schöffen der Stadtgemeinde geführt. Sie garantierten die über Generationen hinweg überkommene Rechtsordnung, hatten sie doch als zumeist bejahrte Männer in juristischen Fragen lebenslange Erfahrungen gesammelt. Im Gerichtsbuch wurden z.B. beglaubigt: Testamentsabschlüsse, Nachlässe, Verträge über Kauf, Tausch und Verpfändung von Grundstücken oder Häusern, dazu Schulden- und Erbschaftssachen zwischen Privatpersonen. Das umfangreiche und gewichtige Werk enthält die Protokolle über diese vielfältigen Vorgänge, die der Rat der Schöffen als Recht setzte. Es sind das Aufgaben, die im wesentlichen heute das Grundbuch- und Katasteramt bzw. der Notar übernehmen.
Das Wächtersbacher Gerichtsbuch kann im Heimatmuseum während der üblichen öffnungszeiten ab April 2011 besichtigt werden. Sonderführungen sind nach Vereinbarung mit Museumsleiter Kurt Schuh möglich, Telefon: 06053/2574.
Gezählt hat man sie; es sind etwa 800 historische Fotos, die ab Sonntag, 5. April in der neuen Sonderausstellung im Heimatmuseum zu sehen sein werden. Mit den Namen ist es allerdings nicht so einfach wie mit dem Zählen. Auf vielen bereits vor Jahrzehnten z.B. bei Hochzeiten, Konfirmationen, Vereinsfesten usw. aufgenommenen Gruppenbildern sieht man auch oftmals Personen, deren Identität trotz aller Bemühungen nicht mehr festzustellen ist. Hier hofft das Museumsteam auf Besucher, die sich vielleicht erinnern und zur Aufklärung beitragen können. Die Ausstellung umfasst aber nicht nur solche Personen- und Gruppenbilder, sondern den Schwerpunkt des Gezeigten bilden Fotos aus dem alten Wächtersbach und auch aus allen Stadtteilen. Gebäude, Straßenzüge, besondere Ereignisse, Blicke in stille Winkel und Gassen, Verkehrsgeschehen, Handel und Gewerbe €“ ungemein vielfältig sind die Motive dieser für unsere Vergangenheit so wichtigen Dokumente, die man sich hier ansehen kann.
Besonders unsere Neubürger haben hier die Möglichkeit, sich mit der Geschichte ihrer neuen Heimat vertraut zu machen und zu sehen, wie sich das Gesicht der Stadt besonders in den letzten Jahrzehnten entscheidend verändert hat. Auch soll die Ausstellung die "alten Wächtersbacher" dazu motivieren, selbst einmal in ihren Foto-Schätzen nach wichtigem Material zu forschen und dieses dem Verein kurzzeitig zur Reproduktion zur Verfügung zu stellen. Nur so ist eine Bewahrung für die Zukunft gewährleistet. Man will es oft nicht wahrhaben, aber die Praxis zeigt es ständig wieder: Sind Oma oder Opa nicht mehr am Leben, dann landet das von ihnen jahrzehntelang als liebe Erinnerung so sehr Gehütete zumeist recht schnell in der Altpapiertonne! Das muss nicht sein!
Die Tradition sehens- und bemerkenswerter Sonderausstellungen im Wächtersbacher Heimatmuseum findet mit dieser Bild-Präsentation sicher eine erfolgreiche Fortsetzung und Museumsleiter Kurt Schuh hofft mit seinen Helfern Bernd Schäfer, Emil Hörner und Heinz Hausmann auf regen Besuch.
